EISWÜSTE - 555 KILOMETER DURCH GRÖNLANDEISWÜSTE - 555 KILOMETER DURCH GRÖNLANDEISWÜSTE - 555 KILOMETER DURCH GRÖNLANDEISWÜSTE - 555 KILOMETER DURCH GRÖNLANDEISWÜSTE - 555 KILOMETER DURCH GRÖNLAND

Tagebuch aus Grönland

von Martin Hülle und Jerome Blösser



02./03. Juni 2008 – Zurück im warmen Deutschland:

Jeröme Blösser und Martin Hülle Mit etwas Verspätung startet am Montag Vormittag der Flug von Kangerlussuaq nach Kopenhagen. Durch die Fenster des Air Greenland Airbus A330 können wir noch einmal auf die Spalten, Eisseen und Buckel schauen, welche uns am Ende der Expedition alle Kraft abverlangt hatten. Selbst von weit oben ist das Chaos auszumachen - nirgendwo eine glatte Passage. In wenigen Minuten sind wir über die Abstiegszone, die uns 22 Stunden Anstrengung gekostet hat, hinweg geflogen. Eine neue Welt hat uns endgültig wieder erreicht! Durch die vierstündige Zeitverschiebung landen wir erst am Abend in Kopenhagen, von wo wir mit einem Nachtbus nach Berlin fahren. Dort trennen sich nach den vielen Wochen, die wir im Eis gemeinsam unterwegs waren, unsere Wege: Jerome ist am Morgen bereits fast daheim angekommen, während Martin noch mit dem Zug nach Wuppertal weiterfährt, wo auch er gegen Mittag eintrudelt. Die Wärme schlägt uns ins Gesicht - daran müssen wir uns wohl erstmal wieder gewöhnen!

An dieser Stelle danken wir allen Partnern der Expedition, ohne deren Unterstützung die Überquerung des grönländischen Inlandeises von Isortoq nach Kangerlussuaq nicht durchführbar gewesen wäre!

Um die Tagebucheinträge zu ermöglichen, war spezielle Technik und Manpower erforderlich: als Laptop diente uns ein Toughbook von Panasonic, Texte und Bilder verschickten wir mit einem Iridium-Satellitentelefon der Firma satrent.de, Unterstützung bekamen wir von Riedel Communications, die technische Ausrüstung erlangte durch einen Sunbag von Off-Grid-Systems neue Energie und Thorsten Neuhaus von V15* war der Garant dafür, dass unsere Daten fortlaufend online gestellt wurden. Danke!

Zum guten Schluss nochmals ein Gruß an alle, die uns mit ihren SMS-Nachrichten erfreut und motiviert haben. Vielen Dank!



01. Juni 2008 – Letzter Tag auf Grönland:

Wegweiser in KangerlussuaqNoch einmal beglückt uns das grönländische Wetter mit blauem Himmel und Sonnenschein. Die Temperaturen reichen bis fast an die 20 Grad und wir nutzen den Tag für einen Rundgang durch Kangerlussuaq. Ursprünglich von den Amerikanern als Militärflughafen gebaut und lange unter dem Namen Söndre Strömfjord bekannt, ist Kangerlussuaq schon seit vielen Jahren unter dänisch/grönländischer Verwaltung und mittlerweile Grönlands wichtigster nationaler und internationaler Flughafen. Trotzdem gibt es noch immer einen eher amerikanischen Ortsteil, in dem heute überwiegend Wissenschaftler wohnen und ihre Projekte ins ewige Eis vorbereiten. Der Ort hat alles, was es zum leben braucht: Bäckerei, Kirche, Supermarkt, Bowlingbahn, Kongresshalle und das KISS-Center (Kangerlussuaq International Science Support). Schön ist es aber nicht, alles eher zweckmäßig und nur für einen beruflichen Aufenthalt erscheint es aushaltbar. Und über allem liegt der Sand, der aus dem nahen "Sandsturmtal" immer wieder hier herüber geweht wird. Morgen Vormittag fliegen wir nach Kopenhagen und von dort weiter nach Deutschland - zum Nordpol wäre es sogar näher, aber uns lockt nach 30 Tagen Eiswüste der deutsche Frühsommer und die Wärme.



31. Mai 2008 – Moschusochsen-Burger:

Moschusochsen-BurgerGestern herrschte in Kangerlussuaq noch ein geschäftiges Treiben. Kein Wunder, denn durch den Orkan am Mittwoch und Donnerstag, fiel ein Flug von Air Greenland nach Kopenhagen aus, weshalb 250 Menschen hier festsaßen. Bei nur rund 500 Einwohnern eine stattliche Zahl. Entsprechend überfüllt waren alle Hotels, Restaurants und der komplette Flughafen. In der letzten Nacht startete dann endlich eine Ersatzmaschine und heute morgen ist Kangerlussuaq wie leer gefegt. Auch der gestrige Hagel, der bei kühlen Temperaturen und noch ein wenig Wind gefallen war, wich heute Sonnenschein, blauem Himmel und Wärme. Mit dem guten Wetter kommen die Mücken. Myriaden der kleinen Plagegeister fallen über uns her und wollen uns das Blut aus dem Leib saugen. In der Mittagszeit flüchten wir in die Cafeteria des Hotels, das mit im Flughafengebäude untergebracht ist. Ein Moschusochsen-Burger auf der Tageskarte, noch dazu samt Pommes Frites und Salat, lässt uns das Wasser im Munde zusammen laufen. Wir zögern nicht lange und bald stehen zwei üppig befüllte Teller vor uns, die wir in Windeseile verputzen. Ansonsten haben wir einen ruhigen Tag verbracht und den wenigen startenden und landenden Maschinen zugeschaut.



30. Mai 2008 – Unterwegs in Kangerlussuaq:

Grönland-FlaggeNach wohlverdientem tiefen Schlaf, haben wir den Tag mit einem gemütlichen Frühstück begonnen. An einem hölzernen Tisch auf der Camping-Wiese lassen wir es uns mit dem ersten frischem Brot seit einem Monat, dazu Marmelade und Orangensaft richtig gut gehen. Auf diese Art frisch gestärkt, nutzen wir die Zeit vor dem Wochenende für einige Erledigungen. Bei der Polizei melden wir unsere Expedition ab – nun sind auch die offiziellen Stellen in Grönland über den Ausgang der Unternehmung informiert. Den mitgeführten Notsender, ohne den keine Expedition auf dem Inlandeis stattfinden darf und den wir zum Glück nicht antasten mussten, schicken wir per Post an Robert Peroni zurück. Von ihm hatten wir das Gerät im Roten Haus in Tasiilaq an der Ostküste ausgeliehen. Auch wenn unser Gepäck aufgrund des Verzehrs all des Proviants deutlich abgenommen hat, ist immer noch viel Ausrüstung vorhanden, welche nun nach Deutschland retour gesendet werden muss. Neben der teuren Möglichkeit, alles als Übergepäck mitzunehmen, können wir es alternativ per Luftfracht verschicken oder mit der Royal Arctic Line auf dem Seeweg. Noch fehlen uns dazu einige Preise, weshalb wir eine Entscheidung erst kurzfristig treffen können. Erfreulicherweise sind die Wege in Kangerlussuaq kurz, da sich die Siedlung praktisch nur links und rechts um das Flugfeld herum gruppiert. Da ist auch ein Sprung in den kleinen Supermarkt Pilersuisoq rasch möglich, um wichtige Überlebensmittel zu erstehen. So wandert Haribo, Marabou Schokolade, frischer Yoghurt, Greenland Bier, Faxe Kondi, Tomaten und Eis am Stiel in die Einkaufstüten.



28./29. Mai 2008 – Erschöpft am Ziel:

Zum Punkt 660Am Mittwoch Morgen brechen wir um 10 Uhr zu unserer letzten Etappe an die etwa 40 Kilometer entfernte Eiskante auf. In den ersten Stunden schaffen wir jeweils 5 Kilometer – wir kommen so schnell voran wie noch nie zuvor. Bis zum frühen Nachmittag liegt schon die Hälfte der Strecke hinter uns. Wir sind guter Dinge, bis gegen Mitternacht das ersehnte Ziel zu erreichen. Doch 15 Kilometer vor Schluss beginnt die Apokalypse: die zuvor noch recht ebene Landschaft verwandelt sich plötzlich in ein chaotisches Labyrinth aus bis zu 5 Meter hohen Eisbuckeln, deren Mulden mit Tiefschnee aufgefüllt sind. Wir hoffen, dass sich das Gelände nach einiger Wegstrecke wieder bessert. Doch das passiert nicht. Im Gegenteil – wann immer wir nach einem Ausweg suchen, zeigt sich uns in alle Richtungen kilometerweit ein gleiches Bild. Gefrorene Zuckerhüte soweit das Auge reicht. Ein gerades Vorwärtskommen ist nicht möglich. In einem Zickzack-Kurs arbeiten wir uns mühsam weiter. Zu allem Übel kommen dann auch noch Schmelzwasserbäche und türkisblaue Seen hinzu. Unser Tempo fällt rapide – teilweise kommen wir in einer Stunde nur noch einen Kilometer voran. Die Sonne geht unter und wir sind noch immer weit vom festen Land entfernt. Als hätten wir nicht schon genug zu tun, kommt auch noch ein starker Fallwind mit Regenschauern auf. An besonders exponierten Stellen bläst der Sturm die Pulka-Schlitten aus der Bahn und wir werden in steileren Passagen unkontrolliert zu Tal geweht. Die Stunden vergehen, der neue Tag bricht schon an und langsam kriecht die Müdigkeit in unsere Glieder. Um 2 Uhr in der Nacht passieren wir zwei sehr große Schmelzwasserseen und sind nur noch knappe 5 Kilometer von der Eiskante entfernt. Das spornt uns an, doch der Irrgarten aus Eis hat nach jeder Biegung eine neue Überraschung parat. Teilweise erscheint es uns kaum mehr möglich, einen Durchschlupf zu finden. Aber irgendwie tasten wir uns Stück für Stück weiter, oft begleitet durch laute Flüche, wenn die Pulka-Schlitten durch das unwegsame Gelände etwa fünfzigmal umkippen und sich dabei oft mehrfach überschlagen. Die Nerven liegen blank. Um 8 Uhr Morgens – 22 Stunden nach unserem Aufbruch – erreichen wir total erschöpft die Eiskante und betreten nach 30 Tagen erstmals wieder festen Boden. Völlig übermüdet schlagen wir das Zelt auf, nehmen kaum das Grün und die vergessenen Gerüche war und schlafen direkt für ein paar Stunden ein. Am Nachmittag werden wir von einem Mitarbeiter von Kangerlussuaq Tourism mit einem Geländewagen abgeholt und in die Flughafensiedlung Kangerlussuaq gebracht. Jörgen erzählt uns, dass in dieser letzten Nacht Lou und Mark, unsere Bekannten vom Camp Raven, dort bei Orkan in kompletter Sicherheitskleidung in ihrem großen Stationszelt saßen und blanke Angst hatten, ihren Schutz zu verlieren. Ein verrücktes Jahr in Grönland, mit so viel Sturm, wie schon seit 10 Jahren nicht mehr. Zum Glück bekamen wir von dem Orkan nur die Ausläufer zu spüren, wären wir noch weiter oben auf dem Inlandeis gewesen, wären wir mit unserem gesamten Hab und Gut sicherlich zu Tal geweht worden. So blieb uns eine enorm kräftezehrende Etappe, die uns an die eigenen Grenzen, aber auch ans Ziel geführt hat. Nun ruhen wir unsere müden Knochen noch für ein paar Tage in Grönland aus, bevor es kommenden Montag zurück nach Deutschland geht. Weiterhin werden wir wieder täglich unsere Impressionen schildern. Jetzt müssen wir aber erst mal Schlaf nachholen!



27. Mai 2008 – Land in Sicht:

Sonne über dem InlandeisFür mehrere Wochen war der weiße Horizont in alle Himmelsrichtungen unser einziges Panorama. Wie ein Meer aus Eis und Schnee erstreckte sich das grönländische Inlandeis ins scheinbar Unendliche. Heute Mittag fühlen wir uns wie ein Kapitän auf einem Segelschiff nach der langen Überquerung eines Ozeans: Land in Sicht! In der Ferne erspähen wir erstmals Berge hinter der Eiskante. Das Festland rückt in greifbare Nähe. Doch dorthin ist es – obwohl wir heute 31,5 Kilometer geschafft haben – noch immer ein gutes Stück Weg. Bis zum Punkt 660 am Rande des Inlandeises, wohin eine Schotterstraße von Kangerlussuaq führt, sind es nun noch etwa 40 Kilometer Strecke und gute 500 Höhenmeter Abstieg. Morgen wollen wir diese Stelle erreichen – ein sehr langer Tag steht uns bevor. Da die Sonne erst nach 23 Uhr unter geht und es in den Nächten schon lange nicht mehr dunkel wird, haben wir aber genügend Zeit und Licht, um am Ende des Tages hoffentlich wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren.



26. Mai 2008 – Neues Spiel, neues Glück:

EisskulpturNach 30 Stunden Sturm ebbt der Wind endlich ab. Doch bevor es weitergeht, müssen wir Zelt und Pulka-Schlitten am Morgen erst einmal von schweren Schneemassen befreien. Der Boden ist vom starkem Wind chaotisch aufgerissen und ein rhythmisches Gehen dadurch unmöglich. Erst im Laufe des Tages bessert sich das Terrain und auch der Wind schläft völlig ein. Nun kommen wir erneut gut voran und reihen Kilometer an Kilometer. Am Abend haben wir so ganze 30 Kilometer geschafft und genießen die Ruhe im Zelt. Unsere Pulka-Schlitten sind mittlerweile deutlich leichter geworden, da fast aller Proviant daraus in unsere Mägen umgesiedelt ist. Wir haben nur noch für etwa 2 Tage Nahrung und werden deshalb versuchen, die Eiskante bis Mittwochabend zu erreichen. Noch 70 Kilometer – harte Arbeit, aber zu schaffen. Gute Sicht vorausgesetzt, sollten wir auch eventuelle Gletscherspalten, Schmelzwasserbäche und Eissümpfe sicher umgehen können.



25. Mai 2008 – Nullrunde:

Hilleberg Zelt auf dem InlandeisSo nah können Freud und Leid beieinander liegen. Gestern noch eine neue Tagesbestleistung und heute nicht vom Fleck gekommen. Seit 1 Uhr in der Nacht peitscht mal wieder der Wind mit Windstärke 8. Zum Glück haben wir das Zelt gestern bei Windstille optimal ausgerichtet und aufgebaut, so dass der Sturm es an seiner spitzen Seite trifft. Trotzdem wird das Zelt gebeutelt und durchgeschüttelt, es knattert und der Schnee prasselt darauf ein. An erholsamen Schlaf ist dabei nicht zu denken, alle halbe Stunde erwachen wir und sind besorgt, ob der Wind noch mehr zulegt und das Zelt standhält. Nun ist es bereits 21 Uhr am Abend, der Sturm hat an Heftigkeit etwas nachgelassen, weht aber noch immer stark. Über den Tag haben wir das Zelt nur verlassen, um die Abspannungen zu kontrollieren und den schweren, nassen Schnee davon zu schaufeln, der sich rings um unsere Behausung immer wieder darauf anhäuft. Dabei nimmt einem der Wind den Atem. Nur die Temperaturen sind sehr mild und alles wird feucht. Wir harren auf erneute Wetterbesserung und sollte es morgen nicht weiterhin so extrem schlimm sein, dann müssen wir in jedem Fall weiter laufen, denn die Zeit drängt!



24. Mai 2008 – 100 Kilometer bis zum Ziel:

Jerome Blösser mit GPSObwohl wir unter anderem mit Trekking-Mahlzeiten vorzüglich ausgestattet sind und ein abwechslungsreiches Spektrum an Proviant in den Pulka-Schlitten mit uns führen, passiert es nach fast vier Wochen Expeditionsleben dann doch, dass wir "virtuelle" Heißhungerattacken auf so manche Leckerei entwickeln. Heute war so ein Tag, bei dem wir uns in jeder Pause gegenseitig Menüwünsche vorgeschwärmt haben: Wiener Schnitzel mit warmem Kartoffelsalat und ein frischgezapftes Weizenbier, eine handvoll Pfannkuchen mit Nutella dick bestrichen und Bananenstücken belegt, Eisbecher mit wahlweise Milch- oder Fruchteis (jaja, heute war es recht warm), eine Flasche Bionade (Kräuter oder Holunder), und so weiter und so fort ... Vielleicht hat uns dieser Heißhunger besonders schnell werden lassen, denn auf die gestrige Tagesbestleistung haben wir noch eins draufgesetzt und sind heute ganze 31 Kilometer weit marschiert. Mit nur noch 100 Kilometern Entfernung rückt unser Ziel in greifbare Nähe. Drückt uns die Daumen, dass das Wetter in den nächsten Tagen gut bleibt und wir weiterhin so gut voran kommen. Eure SMS-Nachrichten motivieren uns jeden Abend aufs Neue – weiter so!



23. Mai 2008 – Höhenverlust und Weitengewinn:

Sonnenuntergang über dem InlandeisAufgrund der Tage, durch die wir wegen Sturm und schlechter Sicht nicht weiter kamen, ist unser Zeitplan ein wenig unter Druck geraten. Deshalb gehen wir ab sofort pro Tag eine Stunde mehr. Und sogleich hat es sich gelohnt: 28 Kilometer - neue Tagesbestleistung! Sonnenschein und leichter Rückenwind kamen uns dabei heute sicherlich genauso zugute, wie der erstmals spürbare Höhenverlust. Insgesamt haben wir an diesem Tag 170 Höhenmeter verloren und sind dadurch nun deutlich unterhalb der 2000-Metermarke. Bis zur Eiskante besteht unser Leben aus schlafen, laufen und essen. Wenig schlafen, viel laufen und so viel wie nur möglich essen. Noch 6 Tage haben wir Zeit, um die verbleibenden etwa 130 Kilometer zurückzulegen.



22. Mai 2008 – Abschied von DYE II:

DYE II auf dem InlandeisNach über zwei Tagen schlechten Wetters, ist die grönländische Welt heute wieder in Ordnung. Der Wind hat sich gelegt, mit jeder Stunde des Tages vertreibt die Sonne die letzten Wolken und beginnt ihre Kraft zu entfalten. Doch bevor wir endlich weiter können, müssen wir noch das Zelt ausgraben, das vom gestrigen Wind bis fast zur Oberkante auf drei Seiten mit Schnee zugeweht worden ist. Wir verabschieden uns von Lou und Mark, laufen vorbei an der Radarstation DYE II, die sich heute zum ersten Mal vor blauem Himmel zeigt, und starten den letzten Abschnitt unserer Expedition in Richtung Westküste. Durch den starken Wind der letzten Tage ist der Untergrund mal wieder von einigen Furchen durchzogen. Trotzdem schaffen wir 22 Kilometer und haben unser Camp auf immer noch knapp über 2000 Meter Höhe errichtet. Kurz vor Sonnenuntergang fällt die Temperatur bereits auf nahezu minus 30 Grad – das ist das Wetter, welches wir für ein gutes weiteres Vorankommen benötigen. Tagsüber klar, sonnig und "warm" und in der Nacht eiskalt, damit der Boden zum Skilaufen fest gefriert.



21. Mai 2008 – Wir sitzen fest:

Sturm im Camp RavenIn der Nacht fällt der Luftdruck dramatisch. Der gestern schon sehr kräftige Wind nimmt heute weiter an Fahrt zu und erreicht in Spitzen Windstärke 8. Nach der Beaufort-Skala ein stürmischer Wind, der genau aus der Richtung bläst, in die unser weiterer Weg führt. Sehr ungewöhnlich in dieser Region, wie uns Lou und Mark aus dem Camp Raven berichten. Sie müssen es ja wissen, verbringen sie doch seit Ende der 90er Jahre jeden zweiten Sommer hier. Schnee peitscht horizontal über die schutzlose Landschaft und nimmt uns die Sicht. Da auch die Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt liegen und durch den Windchill-Effekt bedrohliche Grade annehmen und Erfrierungen rasch möglich sind, entschließen wir uns dazu, heute nicht weiter gegen den Sturm anzulaufen. Wir haben Glück, dass wir in der Nähe des Camp festsitzen und einige Annehmlichkeiten in der sonst so ungastlichen Situation nutzen können. Wie das kleine Klohäuschen, welches links auf dem Bild zu sehen ist. Rechts ist zudem das Duschhaus sichtbar und im Hintergrund DYE II, verschwommen im Schneetreiben. Zum Abendessen sind wir zu Gast im Camp Raven, wo uns Lou und Mark mit selbstgemachter Pizza bewirten! Mit soviel neu getankter Energie hoffen wir auf gutes, windstilleres Wetter am morgigen Tag, um unseren noch langen Weg nach Kangerlussuaq fortzusetzen.



20. Mai 2008 – Kalter Krieg im ewigen Eis:

DYE II auf dem InlandeisSchneefall und Sturm verbünden sich heute erneut zu einem undurchdringlichen White-Out, der uns zu einem Tag im Camp Raven zwingt. Wir nutzen die Zeit für einen ausgiebigen Besuch der alten amerikanischen Radarstation DYE II. 1960 errichtet, diente sie im Kalten Krieg zur Früherkennung möglicher Beschüsse aus östlichen Gefilden. Ein Gang durch die drei Stockwerke des Gebäudes ist ebenso bizarr, wie die bloße Präsenz der Anlage in dieser menschenleeren und konfliktlosen Eislandschaft. Fast alle Gegenstände scheinen zurückgelassen worden zu sein, egal ob volle Ketchup-Flaschen in den Lagerregalen, Unmengen weiterer Lebensmittel oder Bücher und Zeitschriften in einer Bibliothek. Daneben Räume mit riesigen Generatoren, eine Bar mit Billardtisch, ungeöffnete und gefrorene Tuborg-Bierflaschen, oder die Schlafräume der ehemaligen Besatzung, in denen Poster mit sommerlichen Berglandschaften an den Wänden hängen. Hinzu kommt eine Küche mit Kisten voller – natürlich immer noch – gefrorener Truthahnschenkel. Während wir durch die dunklen Gänge streifen, in die der Wind zum Teil Schnee geweht hat, können wir uns kaum vorstellen, dass hier einmal ein geordnetes Leben stattgefunden hat. Wir steigen hinauf bis in den überdimensionalen "Golfball", der das Herzstück der Station beherbergt, die Radarantenne. Aufgrund des Schnees, der sich Jahr für Jahr immer höher um die Anlage ablagert, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis das Relikt des Kalten Krieges ganz in der Geschichte des Eises versunken sein wird. Als wir am Abend wieder zu einem Besuch bei Lou und Mark vorbei schauen, erzählen sie uns noch von einem Aquarium, das sie vor einigen Jahren in einem der Räume von DYE II fanden. Das Wasser war zu einem klaren Eisblock gefroren: darin eine Plastikpalme und ein kleiner Goldfisch.



19. Mai 2008 – Camp Raven:

Jerome Blösser im Camp RavenDie gute Nachricht: wir sind im Camp Raven, etwa 700 Meter von der verlassenen Radarstation DYE II entfernt. Die schlechte Nachricht: wir haben den Koloss den ganzen Tag nicht gesehen. Aber der Reihe nach: in der Nacht kommt Wind und Schneefall auf, der sich mit jeder Stunde verstärkt. Ab Mittag herrscht White-Out ohne oben und unten, Konturen und Distanzen verschwimmen. Mit starrem Blick auf den Kompass halten wir dennoch Kurs. Nach 5 anstrengenden Stunden im teils tiefen Neuschnee, stoßen wir auf das Camp Raven. Es ist ein Trainingscamp für Hercules-Piloten, die hier in den Sommermonaten Starts und Landungen auf eisigen Pisten für den späteren Einsatz in der Antarktis üben. Das Camp wird von Lou und Mark, einem amerikanischen Ehepaar, betreut, die für freie Landepisten sorgen und zudem Wetterdaten aufzeichnen. Wir wurden schon erwartet, da die beiden grönländischen Hundeschlittenführer, denen wir vor etwa 14 Tagen begegneten, uns bereits angekündigt hatten. Herzlich werden wir in das urige, übergroße Stationszelt eingeladen. Bei frischem Kaffee, von uns mitgebrachten Jaffa-Keksen und Whiskey verbringen wir einen gemeinsamen Abend und tauschen Geschichten aus aller Welt aus. Unser Zelt steht in der Nähe des Camp und der Schnee prasselt noch immer darauf ein. Wir hoffen auf besseres Wetter am morgigen Tag, an dem wir DYE II und die Geheimnisse ihres Interieurs besichtigen wollen. 1988 fluchtartig verlassen, steht sie seitdem jedem offen, der an diesem unwirklichen Ort vorbei kommt. Unsere Position ist N 66° 29′850″ W 46° 17′190″.



18. Mai 2008 – DYE II in Sicht:

Jerome Blösser auf dem InlandeisGestern Abend entdeckte Jerome bei exzellenter Fernsicht am Horizont einen dunklen Fleck. Aufgrund der Richtung konnte es sich nur um die Radarstation DYE II handeln. Immerhin noch satte 36 Kilometer entfernt! Am Morgen liegt eine Wolkenbank über dem Horizont und nebelt die Sicht ein. Da keine Konturen auszumachen sind und auch die Sonne als Wegweiser nicht in Erscheinung tritt, müssen wir uns mit Hilfe eines Kugelkompasses, der mit einer speziellen Halterung vor den Bauch geschnallt wird, den Weg suchen. Es zeigt sich dabei mal wieder, dass die richtige Ausrüstung für den Erfolg einer Expedition essentiell ist. In den ersten 20 Tagen haben schon einige Dinge unser Herz erobert. Nachfolgend unsere momentane Top-Ten-Liste: Hilleberg Keron 3 GT Tunnelzelt – Primus EtaPower Benzinkocher – Haglöfs Sharkfin Windstopper Softshell Jacken und Hosen – Scarpa Phantom Telemark Skischuhe – Haglöfs Nube Daunenwesten – Fischer E99 Ski mit Rottefella Chili Bindungen – adidas Evil Eye Explorer Brillen – Light My Fire Spork – Trekking-Mahlzeiten – Schneeschaufel mit integrierter Schneesäge.

Am Nachmittag lichtet sich die Wolkendecke ein wenig und erstmals sehen wir am heutigen Tag wieder DYE II. Unser Camp errichten wir nach 22 Kilometern und immer noch 14 Kilometer vor der Station, die mit bloßem Auge schon gut erkennbar ist. Sie muss ein riesiges Ding sein und sieht aus wie ein Raumschiff – völlig fremdartig in der eintönigen Schneelandschaft!



17. Mai 2008 – Schneller in New York als im Zelt:

Jerome Blösser mit Toughbook im ZeltWenn man, so wie wir, den ganzen Tag durch endlose Eislandschaft mit 360-Grad Panorama geht, hat man Zeit für allerlei Gedanken. Zum Beispiel beim Anblick eines der seltenen Düsenjets oben am Himmel, ob unsere Art der Fortbewegung nicht anachronistisch ist. Wofür wir einen ganzen Monat brauchen, schafft man im Flug in nur einer Stunde. In einer der Pausen bringt Martin das auf den Punkt: "Die sind ja schneller in New York als wir heute Abend wieder im Zelt". Die Art der Fortbewegung ist bei uns aber das einzig traditionelle. Alles andere, wie die Ausrüstung, ist hochmodern. Zum Beispiel die Technik, mit der wir jeden Abend die Tagebucheinträge schreiben und versenden: Als Laptop haben wir von Panasonic ein spezielles Outdoorgerät dabei, ein Toughbook, dass sogar eine beheizte Festplatte hat für die Arbeit bei Minusgraden. Wenn unsere Texte und Bilder fertig sind, verschicken wir sie mit einem Iridium-Satellitentelefon der Firma satrent.de in die weite Welt. Thorsten Neuhaus von V15* sorgt dankenswerterweise dafür, unsere Daten dann immer online zu stellen.

Zum Tag: auf eine bitterkalte Nacht folgt ein strahlend sonniger Tag, dem wir erneut 24 Kilometer abringen.



16. Mai 2008 – Über glitzernden Schnee:

Sonne über dem InlandeisIn der Nacht fällt die Temperatur auf etwa 30 Grad minus. An den Schlafsäcken bildet sich von der Atemluft eine Eisschicht. Doch zum Glück scheint am Morgen schon früh wieder die Sonne und erwärmt die Luft auf erträgliche Grade. Wir packen in Ruhe unsere Pulka-Schlitten und starten nach dem Pausentag die nächste Etappe. Der gestern frisch gefallene Schnee glitzert wie Diamantstaub bis hin zum Horizont. Stunde um Stunde laufen wir der Linie zwischen Eiskappe und Himmel entgegen und schaffen bis zum Abend 24 Kilometer. Kurz nachdem das Zelt steht, überzieht ein Nebel die Landschaft. Mal sehen, wie morgen das Wetter sein wird. Eine neue kalte Nacht ist uns auf jeden Fall gewiss. Wir danken weiterhin allen für die täglichen SMS-Nachrichten, die uns jeden Abend besonders erfreuen!



15. Mai 2008 – In der Ruhe liegt die Kraft:

Hilleberg Zelt auf dem InlandeisAls wir am Morgen erwachen und einen ersten Blick nach draußen werfen, blicken wir in eine milchige Suppe, in der die Schneelandschaft und der Himmel zu verschmelzen scheinen. Dazu kommt ein steifer Wind, der dicke Schneeflocken über das Eis fegt. Die Sicht ist miserabel und liegt bei kaum 10 Metern. White-Out. Dennoch werfen wir den Primus-Kocher an und beginnen, Schnee zu schmelzen für das Frühstück und unsere vier Thermoskannen. Das Wetter bleibt schlecht und wir beschließen nach 16 kräftezehrenden Tagen, heute einen Ruhetag einzulegen. Wir liegen die meiste Zeit im Zelt, die MP3-Player in den Ohren und versuchen abzuschalten. Dabei begleiten uns die Klänge von U2, Wir Sind Helden und Sigur Rós (Martin) und Eddie Vedder, Johnny Cash und Sven van Hees (Jerome). Im Laufe des Nachmittages legt sich der Wind, es hört auf zu schneien und die Wolken reißen auf. Die Sonne kommt hervor und erwärmt das Zelt auf 35 Grad. Verrücktes Wetter. Auch außerhalb des Zeltes herrschen am Abend Traumbedingungen. Absolute Stille, der Mond steht im Osten am Horizont und die Sonne geht langsam unter. Wir hoffen, dass sich das Wetter in den nächsten Tagen so hält, damit wir mit neuen Kräften die Strecke zur 84 Kilometer entfernten Radarstation DYE II unter die Ski nehmen können.



14. Mai 2008 – Es läuft:

Sonne über dem InlandeisSeit mehreren Tagen herrscht eine milde Wetterlage. Die Nachttemperaturen sinken kaum unter minus 10 Grad und tagsüber pendelt sich das Thermometer bei ein paar Graden über Null ein. Für die Jahreszeit, die Höhe und die exponierte Lage inmitten auf dem Kühlschrank Inlandeis, eigentlich viel zu warm. Nur wegen des kalten Windes müssen wir dennoch mit Mützen, Handschuhen und den winddichten Jacken über das Eis laufen. Ein wenig gutes bringt der stete Wind jedoch mit sich: er hat den Neuschnee der letzten Tage verfestigt und wir kommen endlich schneller voran. In 8 Stunden schaffen wir heute 25 Kilometer. Tagesrekord! Am Himmel zeigt die Sonne des öfteren ein faszinierendes Naturschauspiel, wenn nicht die vielen Wolken den Blick darauf immer wieder verschleiern.



13. Mai 2008 – Bergfest!:

Jerome Blösser und Martin HülleRührei mit Schinken, warmes Baguette, ein Glas Orangensaft, Capuccino und eine Schale frische Erdbeeren ... das ist unser Frühstückstraum. Die Realität sieht wie immer etwas anders aus: Pulverkaffee und in Wasser lösliches Energiegetränk. Beim Anblick der unter Schneemassen begrabenen Pulka-Schlitten, wollen wir am liebsten gleich zurück in die warmen Schlafsäcke und einen ruhigen Tag im Zelt verbringen. Gut, dass wir uns dennoch aufraffen, denn der Tag wird uns dafür belohnen. Heute überqueren wir das Dach unserer Tour mit 2540 Metern Höhe – es ist also Bergfest! Nicht nur den höchsten Punkt der Expedition haben wir heute erreicht, auch die Hälfte der Zeit ist um. Entsprechend freudig und zufrieden sind wir über den bisherigen guten Verlauf der Tour. Am Abend nach Errichten des Camp nach 22,5 Kilometern, überrascht Jerome Martin mit einem Becher Glühwein von Trekking-Mahlzeiten. Leicht angesäuselt schreiben wir diese Zeilen an Position N 66° 26′042″ W 43° 50′799″. Wir haben etwas gefeiert und uns Mut angetrunken für die lange "Abfahrt" zur Radarstation DYE II und weiter zum Ende des Inlandeises bei Kangerlussuaq :-)



12. Mai 2008 – Ein kleiner Vogel im Nichts:

Jerome Blösser unterwegs auf dem InlandeisAls Jerome heute Morgen das Zelt verlässt, entdeckt er einen kleinen Vogel ungefähr 25 Meter von unserem Camp entfernt im Schnee sitzen. Eine merkwürdige Begegnung inmitten des Inlandeises, wo es doch kein Leben gibt und die nächste Küste mehr als 200 Kilometer entfernt ist. Der Vogel dreht eine Runde über das Zelt und landet auf Martins Pulka. Vielleicht ist er entkräftet auf seinem Flug über Grönland – rasch stellen wir ihm etwas Wasser und Trekking-Kekse hin. Doch er scheint weder Durst noch Hunger zu haben, wahrscheinlich wollte er nur mal sehen, was das für ein roter Flecken in der endlosen weißen Landschaft ist. Nachdem der Vogel wieder davon geflogen ist, brechen auch wir bald auf. Erneut weht ein leichter Rückenwind und die Wolken geben den ganzen Tag den Himmel nicht frei. In sechs reinen Laufstunden schaffen wir bei endlich besseren Schneebedingungen 21 Kilometer. Wir rechnen damit, morgen den höchsten Punkt auf unserer Strecke zu passieren, sind wir doch heute schon auf über 2500 Meter Höhe.



11. Mai 2008 – Im Zelt gibt es mehr zu sehen:

Sonne und Wolken über dem InlandeisUnser Ziel, mehr als 20 Kilometer pro Tag zu schaffen, wird heute pulverisiert. Schon die ganze Nacht hatte es geschneit und am Morgen liegt eine Schicht Neuschnee über der Landschaft. Obwohl wir zum ersten Mal geradeaus laufen können und nicht erneut Sastrugis umfahren müssen, schaffen wir nicht mehr Kilometer als in den Tagen zuvor. Der weiche, teils knöcheltiefe Schnee, hemmt unseren Vorwärtsdrang. Hinzu kommt eine wolkige Wetterlage, die alles in ein konturloses Einheitsweiß verwandelt. Bei andauerndem leichtem Schneetreiben orientieren wir uns an der Sonne, die zum Glück als heller Fleck den grauen Himmel ständig durchdringt. Nach anstrengenden 20 Kilometern freuen wir uns, dass es im Zelt mehr zu sehen gibt: Farben und Formen sind eine Wohltat für die Augen, wie Windstille und Wärme für die müden Knochen.



10. Mai 2008 – Minusrekord:

Jerome Blösser und Martin HülleAls wir uns in der letzten Nacht in die warmen Schlafsäcke kuscheln wollten, funktioniert an Martins Schlafsack der Reißverschluss nicht. In Erwartung der bisher kältesten Nacht, keine schöne Aussicht! Zum Glück konnten wir das Problem reparieren und die 30 Grad Kälte unbeschadet überstehen. Am Morgen ist es trotz Sonne noch so kalt, dass uns beim Verlassen des Zeltes sofort die Nasen beim Atmen gefrieren. Mit eiskaltem Wind geht es los auf unsere heutige Tagesetappe. Noch immer gibt es viele Sastrugi-Felder, doch zusammenhängende geschlossene Schneeflächen nehmen zu und ermöglichen es uns zum ersten Mal, halbwegs "klassisch" Ski zu laufen. Im Laufe des Tages zieht es sich zu und es beginnt leicht zu schneien. Die Konturen verschwimmen und wir lassen es nach erneut 20 Kilometern für heute gut sein und genießen den Abend im Zelt mit Kaffee, Kartoffeleintopf und Mousse au Chocolat. Dazu liest Jerome aus "34 Tage / 33 Nächte" von Andreas Altmann vor und wir haben großen Spaß.



09. Mai 2008 – Zuckerbrot und Peitsche:

Sonnenuntergang über dem InlandeisDer Tag beginnt mit 30 Grad plus im Zelt. Kaum auszuhalten und entsprechend gerne starten wir in den windstillen, sonnigen Tag. Nach den gestrigen Peitschenhieben in Form von Sastrugis und kaltem Wind, gönnt uns das heutige Wetter eine Verschnaufpause. Ohne Handschuhe und dicke Jacke legen wir 20 Kilometer zurück und die Pausen in der wärmenden Sonne sind Zuckerbrot für die Seele. Nach dem Durchzug von Schneewolken, durch die wir die Sonne nur noch als fahlen Punkt wahrnehmen, ist in den späteren Abendstunden der Himmel wieder klar und nur ein leichter Wind weht über die Landschaft. Rasch fällt die Temperatur draußen auf minus 25 Grad und wir machen es uns in unseren Schlafsäcken gemütlich.

Auf vielfachen Wunsch werden wir alle paar Tage unsere Koordinaten angeben. Startpunkt Isortoq: N 65° 32′888″ W 38° 58′578″, Ende des Aufstiegs auf das Inlandeis nördlich von Isortoq (Tag 3): N 65° 51′134″ W 39° 00′864″, heutiges Camp (Tag 11): N 66° 14′503″ W 42° 01′789″

Wir sind nun auf knapp 2300 Meter Höhe, etwa 2 Tagesmärsche vom höchsten Punkt unserer Route entfernt, und bis zu unserem nächsten Ziel, der Radarstation DYE II, sind es noch 192 Kilometer.



08. Mai 2008 – Zehn Tage unterwegs:

Jerome Blösser unterwegs auf dem InlandeisIn der Nacht fällt die Temperatur im Zelt bis auf minus 18 Grad. Aber nur einige Stunden später am Morgen sitzen wir bei 23 Grad plus mit einem Kaffee in der Hand in unserem Stoffhaus, auf das seit 4 Uhr die Sonne scheint. Das wird ein schöner Tag – denken wir uns. Aber weit gefehlt! Nach einer Marschstunde ist der Himmel wolkenverhangen und es schneit leicht. Hinzu kommt mal wieder ein eisiger Wind, der wenige Minusgrade deutlich kälter erscheinen lässt. Zu allem Überfluss das größte Hinderniss: endlose Sastrugifelder. Sie begleiten uns den ganzen Tag und wir versuchen in einem Zickzack-Kurs die mächtigsten zu umschiffen. So stehen am Tagesende nur 18,4 Kilometer im Logbuch.

Mittlerweile sind wir zehn Tage unterwegs, da erlebt man so einiges. Nachfolgend die Tops und Flops aus dieser Zeit:

Die Tops: Mittwoch und Sonntag eine Packung Chips – abends nach getaner Arbeit die Zelttür hinter sich schließen und den Wind aussperren – gute Stimmung im Team – SMS-Nachrichten bekommen – mit Musik in den Ohren in die Abendsonne laufen – Kaffee und Milchreis zum Frühstück – wenn aus Wind Windstille wird – mindestens 20 Kilometer am Tag schaffen

Die Flops: eingefrorener Schlafsackreißverschluss – bei eiskaltem Wind seinen Stuhlgang hinter sich bringen – nachts mit eingeschlafenen Händen aufwachen – die Unterwäsche 15 Tage am Stück tragen – Sastrugis in jeglicher Größe und Form – bei Schneegestöber die Pulka-Schlitten packen – mit Sonnenbrand auf den Lippen scharfe Sachen essen – gefrorene Feuchttücher



07. Mai 2008 – Im Plan:

Jerome Blösser mit Karte im ZeltBei bestem Wetter – blauer Himmel, Sonnenschein und Windstille – laufen wir heute eine Stunde länger. Wir schaffen einen neuen Tagesrekord von 22 Kilometern und überschreiten zudem bereits am Mittag die 2000 Meter-Linie. Damit liegen wir genau im Plan. Ein Anteil am bisherigen Erfolg hatte dabei das in den letzten Tagen überwiegend gute Wetter. Ganz anders ergeht es einer kommerziellen englischen Expedition, deren 8 Teilnehmern wir heute Vormittag begegnen. Sie sind auf dem Rückweg zur Ostküste, da sie aufgrund schlechten Wetters ihren eng gesteckten Zeitplan in Richtung Westküste nicht mehr einhalten können. Wir hoffen, dass uns das Wetter weiterhin gut gesonnen bleibt und wir solche Erlebnisse wie heute am Abend, wo wir bei unserer letzten Etappe des Tages direkt in die tiefstehende Sonne gelaufen sind, noch häufiger haben werden.



06. Mai 2008 – Ein harter Tag. Ein guter Tag.:

Jerome Blösser unterwegs auf dem InlandeisTraumwetter den ganzen Tag – einmal abgesehen vom starken Wind. Bei wolkenlosem Himmel laufen wir Stunde um Stunde mit den festzugezogenen Kapuzen unserer winddichten Jacken dem heutigen Etappenziel – der magischen 20 Kilometermarke – entgegen. Die windigen Verhältnisse und der immer noch schwierige Untergrund, machen das Vorwärtskommen zu einem Kraftakt. Selbst die Pausen sind heute wenig erholsam. Wir laufen durch totale Einsamkeit, wie auf einem fremden Planeten, und das Einzige, was uns an die Welt da draußen erinnert, sind die seltenen Flugzeuge, die in 10.000 Meter Höhe über uns hinweg fliegen. Nach stoischen 8 Stunden zeigt das GPS-Gerät exakt 20 Kilometer seit unserem Aufbruch vom letzten Camp an – keinen Meter mehr, für heute reicht es! Wir sind zufrieden, die zweite Expeditionswoche so gut begonnen zu haben. Neben der Strecke sind wir zudem weitere 140 Höhenmeter aufgestiegen und werden morgen die 2000 Meter-Linie überschreiten. Die Höhe und die zunehmende Distanz zur Küste machen sich vor allem in den sinkenden Nachttemperaturen bemerkbar: kurz nach Sonnenuntergang sind es im Zelt schon minus 10 Grad – es wird bestimmt eine kalte Nacht!



05. Mai 2008 – Kaffee mit Inuit:

Hundeschlitten auf dem InlandeisAm Morgen ist es immer noch recht windig und wir brechen deshalb erst gegen 11 Uhr auf. Während der ersten Kilometer ruckeln die Pulka-Schlitten noch bei jedem Schritt über die Schneekämme, doch mit jeder Stunde wird der Untergrund besser. Heute haben wir zum ersten Mal das Gefühl, nichts als die bloße Weite des Inlandeises in alle Himmelsrichtungen zu sehen. Doch am Nachmittag entdecken wir einen dunklen Punkt am Horizont. Nach 1,5 Stunden sind wir dort: ein kleines Camp zweier Inuit mit ihren Hundeschlitten. Sie sind auf dem Weg an die Westküste, um dort 5 Amerikaner in Empfang zu nehmen und gemeinsam mit ihnen eine Überquerung der Eiskappe zu machen. Wir werden auf einen Kaffee eingeladen, den wir dankend annehmen. Nach einem kurzen Plausch ziehen wir weiter. Später setzt leichter Schneefall ein und wir schlagen unser Zelt für heute nach 17 Kilometern auf. Als Jerome noch einmal aus dem Zelt tritt, sieht er die zwei Inuit mit ihren Hundeschlitten herankommen. Beide halten kurz bei uns an und wir revanchieren uns ebenfalls mit einem heißen Kaffee und zwei Oatsnack-Riegeln für ihre weitere Fahrt. Zum Abschied witzeln wir alle, ob wir uns schon morgen erneut irgendwo im Nirgendwo zum Kaffee begegnen werden.



04. Mai 2008 – Ein Tag im Eis:

Jerome Blösser und Martin HülleImmer noch haben wir schwieriges Terrain. Doch die Sastrugis sind zum Glück im Laufe des Tages etwas kleiner geworden und auf einigen Passagen kommen wir erstmals seit drei Tagen besser voran. Das GPS-Gerät zeigt am Abend 19,3 Kilometer an – langsam kommen wir in Fahrt. Den ganzen Tag haben wir blauen Himmel und moderate Temperaturen, nur der Wind ist eiskalt und frischt gegen Ende unserer Etappe merklich auf. Der Zeltaufbau ist schwierig, kein Fehler darf passieren, damit unsere lebenswichtige Behausung nicht beschädigt wird oder gar davon fliegt. Wie immer, wenn das Zelt steht, richten wir uns häuslich ein, der Primus-Kocher wird angeworfen und Schnee geschmolzen. Nach dem Essen ist dann allabendliche Bürostunde, wo wir den Tagebucheintrag verfassen und per Satellitentelefon versenden. Natürlich freuen wir uns dann auch über die neuen SMS-Nachrichten. Aufgrund des ständig knappen Akkus, können wir die Nachrichten nicht beantworten, freuen uns aber weiterhin über jede motivierende Zeile!



03. Mai 2008 – 321-Meins!:

Jerome Blösser mit Primus Kocher im ZeltNachdem wir von Isortoq auf das Inlandeis hinaufgestiegen sind, ist unsere Marschrichtung seit gestern Kurs 321, also West-Nordwest. Die kommenden zwei Wochen wird sich daran auch nichts ändern, denn das Ziel ist die verlassene amerikanische Radarstation DYE II. Diese steht inmitten des Inlandeises und ist für uns das nächste Etappenziel vor Erreichen der Westküste. Die 345 Kilometer bis dorthin wollen wir in 2 Wochen bewältigen. Von dort sind es dann noch weitere 150 km bis zum Endpunkt der Expedition in Kangerlussuaq. Dabei hoffen wir, dass das Terrain einfacher sein wird als heute. Gerade einmal 16 harte Kilometer schaffen wir bei Sonne und leichter Bewölkung in 8 Stunden. Ein Meer von Sastrugis bis zum Horizont – vom Sturm gebildete, meterlange Eisrippen und dazwischen badewannengroße Senken – machen das Vorwärtskommen zu einem Kraftakt. Mehrmals kippen unsere Pulkas um, rutschen in Löcher und müssen mit geballter Energie wieder heraus gezogen werden. Das macht hungrig! Deshalb gönnen wir uns am Abend bei frostigen minus 8 Grad nach einem feurigen Chili con Carne von Trekking-Mahlzeiten noch einen großen Topf Milchreis.



02. Mai 2008 – Camp 4:

Jerome Blösser und Martin HülleIm Laufe der Nacht nimmt der Wind wieder an Heftigkeit zu und erreicht Sturmstärke – an Schlaf ist kaum mehr zu denken. Die Zeltwände flattern extrem laut, als würde auf eine Trommel eingehauen. Zudem bangen wir, ob unsere gestern errichtete Windmauer standhält. Gegen halb Vier – die Sonne geht gerade auf – verlassen wir das Zelt, um alle Verankerungen zu prüfen. Außerhalb des Zeltes können wir uns kaum auf den Beinen halten, so stark weht der Wind. Ein Teil der Windmauer ist eingestürzt, in aller Eile versuchen wir den Schutz wieder aufzurichten und stellen zusätzlich die beiden Pulkas übereinander gegen die Wand. Bis zum Morgen glauben wir nicht, dass wir heute losgehen können, aber gegen 11 Uhr schläft der Wind endlich ein. Deshalb gab es heute nur ein Halbtagesetappe über vom Wind geformte Sastrugis. Bei blauem Himmel und lauem Lüftchen holpern die Schlitten über die endlose Landschaft. Unser Camp 4 ist wunderschön gelegen mit einem letzten Blick auf die Fjorde in der Ferne. An dieser Stelle danken wir unserem Sponsor Camp 4 aus Berlin für die tolle Unterstützung!



01. Mai 2008 – Tag der Arbeit:

Hilleberg Zelt mit Schneemauer auf dem InlandeisAls wir gegen 6.45 Uhr erwachen, sieht es erneut nach einem ruhigen Tag aus. Doch nur eine Viertel Stunde später setzt plötzlich starker Wind ein, der uns den ganzen Tag begleiten wird. Aus dem Wind wird bald ein starker Sturm, der gegen Mittag seinen Höhepunkt mit Geschwindigkeiten von nahezu 100 Stundenkilometern erreicht. Äußerst mühsam kämpfen wir gegen den Nordwind an, der uns frontal ins Gesicht bläst. Vor sich her treibt er feuchten Schnee, der sich auf Kleidung und Schlitten ablagert. Bis zum Nachmittag schaffen wir gerade mal knappe 10 Kilometer, sind aber dennoch froh, ein gutes Stück über die 1000 Meter Höhenlinie gekommen zu sein, da hier die gefürchtete Piteraq-Zone ausläuft. Dieser zerstörerische Fallwind kann an den Küsten Ost-Grönlands mit bis zu 300 km/h vom Inlandeis über die Gletscher zu Tal ziehen. Wir sind gewarnt und bauen zum Schutz des Zeltes eine Schneemauer auf. Glücklicherweise legt sich der Wind zum Abend und es bleibt ein leichtes Schneetreiben vor der untergehenden Sonne.



30. April 2008 – Nichts als Aufstieg:

Blick auf die Suunto UhrHeute war unsere Priorität, so viele Höhenmeter wie möglich zu machen. Also stellten wir unsere Suunto-Uhren von Zeitmodus auf Altimeter um, und wichtiger als die Distanz war laufend die Frage, wie viel Höhe wir schon erreicht haben. Es hat sich gelohnt: In 7,5 Stunden schafften wir rund 800 Höhenmeter, so dass unser Zelt heute Abend auf exakt 900 Metern steht. Außer einigen schwierigeren Passagen, an denen raue blanke Eisbuckel zu überwinden waren, hatten wir optimale Bedingungen. Die dünne Schneeauflage auf dem Gletscher ist fest gefroren, daher gleiten die Pulkas auch in dem steilen Gelände gut. Wir befinden uns etwa am Kreuzungspunkt von W 39° 00′ westlicher Länge und N 65° 45′ nördlicher Breite. Heute sind wir direkt Kurs Nord gelaufen, weil wir westlich liegende Spaltenzonen weiträumig umgehen müssen. Am Tage war es erneut sehr warm, aber nun, nachdem die Sonne untergegangen ist, sind es bereits minus 5 Grad. Wir blicken auf das zugefrorene Meer in der Ferne, welches jetzt schon so weit unter uns liegt, dass sich kein Ursus Maritimus, ein Verwandter von Knut und Flocke, mehr hier herauf trauen wird, gibt es doch neben uns hier nichts lebendiges mehr, was seinen Hunger stillen könnte.



29. April 2008 – Schwitzen in Grönland:

Aufbruch in IsortoqNach einer letzten Nacht in beheizten Räumen, dachten wir, es geht von nun an hinaus in die Kälte. Doch schon früh am Morgen brennt die Sonne vom blauen Himmel herunter. Bevor wir aufbrechen, durchstreifen wir Isortoq, mit 100 Einwohnern für uns die letzte Ansiedlung vor dem Erreichen der Westküste in einem Monat. Die Strecke ist heute zum Glück einfach, denn sie führt zum großen Teil über zugefrorene Fjorde und einen See, über die unsere schwer beladenen Pulka-Schlitten gut gleiten. Am Nachmittag steigt die Temperatur in der Sonne bis auf 15 Grad – wir würden am liebsten in kurzen Hosen laufen, doch wegen der Gefahr eines Sonnenbrandes verzichten wir darauf. Nach 12 Kilometer Strecke liegt unser erstes Camp etwa 120 Meter hoch, oberhalb eines Sees, direkt im Anstieg auf das Inlandeis. Der Ausblick ist phänomenal, täuscht aber leider nicht darüber hinweg, dass wir in den nächsten Tagen noch mehr als 1000 steile Höhenmeter zurücklegen müssen. Wir freuen uns jeden Abend über die motivierenden Nachrichten auf unser Satellitentelefon, danke!



28. April 2008 – Am Startpunkt angekommen:

Air Greenland Helikopter in IsortoqEin hektischer, aber erfolgreicher Tag: Seit dem Frühstück sind wir auf Hochtouren unterwegs. Als erstes laufen wir zum Heliport und erkundigen uns nach dem Verbleib des noch ausstehenden Gepäcks. Eine freundliche Dame von Air Greenland sagt es bis 13 Uhr zu. Eine knappe Sache, da der nächste Flug nach Isortoq, dem Startpunkt unserer Expedition, schon um 14 Uhr geht. Sollte nur ein einziges Teil der Ausrüstung fehlen, würden wir mindestens eine Woche in Tasiilaq festsitzen, da vorher kein weiterer Helikopter nach Isortoq fliegt. Also schnell ab in die Stadt und die Expedition bei der lokalen Polizeistation anmelden. Zurück im Roten Haus packen wir unsere Sachen zusammen und besprechen mit Robert Peroni, der seit über 20 Jahren in Grönland Expeditionen organisiert, die günstigste Aufstiegroute auf das Inlandeis. Wir sind gerade rechtzeitig zurück zum Heliport, wo ein Polizist schon wartet, um das Expeditionsgepäck in Augenschein zu nehmen. Mit Herzklopfen stehen wir gemeinsam am Fenster und zählen unsere Gepäckstücke, die aus dem Heli ausgeladen werden. 7 – alles ist da! Nach kurzer Prüfung checken wir das gesamte Gepäck wieder ein (rund 200 Kilo) und kurz darauf heben wir ab zum Flug entlang der Küste, vorbei an zugefrorenen Fjorden und über mächtige Eisberge. Isortoq ist eine winzige Ansiedlung unweit des Inlandeises, welches wir nun zum ersten Mal am Horizont erblicken. Im Gemeindehaus dürfen wir übernachten und haben Platz, unsere Ausrüstung für den endgültigen Aufbruch zu verpacken. Dies wird noch die halbe Nacht in Anspruch nehmen, damit wir morgen schon den ersten Schritt auf das Inlandeis setzen können. Da die Wetterprognosen für die nächsten Tage gut sind, möchten wir keine Zeit verlieren und sind glücklich, es heute bis hierher geschafft zu haben.



27. April 2008 – Abhängen bei Bärenwetter:

Bär in TasiilaqDa wir heute wegen des noch fehlenden Gepäcks nicht viel auf der To-do-Liste haben, steht einem ausgiebigen Frühstück und anschließendem Stadtspaziergang durch Tasiilaq nichts im Weg. Viele Grönländer verbringen den Tag auf dem zugefrorenen Fjord unterhalb des Ortes beim Eisangeln, und dass man dabei so Einiges am Haken hat, zeigen die fast an jedem Haus zum Trocknen aufgehängten Fische. Trotz der überschaubaren Zahl von etwa 1.800 Einwohnern, ist Tasiilaq dennoch die größte "Stadt" Ostgrönlands, gesegnet mit aller wesentlichen Infrastruktur wie Krankenhaus, Supermarkt und Dorfdisco. Vor den Häusern parken Motorschlitten, Müll liegt allerorts herum und vereinzelt sind Grönlandhunde angekettet. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt spielen Kinder auf den lehmigen Straßen in kurzen Hosen und im T-Shirt – klarer Frühlingsanfang für Inuit! Blauer Himmel und strahlender Sonnenschein lädt nicht nur uns ein, einige Zeit des Tages abzuhängen ;o)



26. April 2008 – Ankunft in Tasiilaq:

Helikopter-Flug nach TasiilaqDie Anreise über Island nach Grönland verläuft ohne Probleme. Reykjavik erreichen wir mitten in der Nacht zum Samstag und fallen entsprechend müde auf die weichen Matratzen im Hotel Loftleidir. Am heutigen Mittag fliegen wir auf direktem Weg weiter nach Kulusuk, da der ursprünglich geplante Weiterflug über Constable Point im Nordosten Grönlands gestrichen wurde. In Kulusuk ist der Teufel los: zwischen 8 Meter hohen Wänden aus Schnee tummeln sich diverse Flugzeuge und die Helikopter starten und landen im Minutentakt. Heliskier haben Grönlands bergige Ostküste für sich entdeckt – im Stillen hoffen wir, die amerikanischen Fastfood-Abenteurer schnell hinter uns zu lassen. Nach einem kurzen 10 Minuten Transfer mit einem der Helikopter, sitzen wir nun in Tasiilaq bei Robert Peroni im Roten Haus. Unser Expeditionsgepäck, welches wir schon vor etwa zwei Wochen verschickt haben, liegt aber noch immer in Kulusuk und wird frühestens am Montag hier eintreffen. Ob diese Verzögerung Einfluss auf den weiteren Expeditionsablauf hat, lässt sich jetzt aber noch nicht absehen – in der Arktis braucht es, wie immer, Zeit und entsprechende Geduld. Trotzdem haben wir uns den Appetit nicht verderben lassen und vorzüglich zu Abend gegessen: grönländische Zutaten, italienisch zubereitet. Narwal-Carpaccio, Zitronen-Risotto und Lachs an Senfjus.



25. April 2008 - Aufbruch nach Grönland:

25. April 2008Es geht los - Grönland kann kommen! Trotz der monatelangen Planung und Vorbereitung waren die letzten Tage, wie immer vor dem Start zu einer Expedition, noch recht hektisch. Restliche Ausrüstung verpacken, Sponsorenlogos auf die Kleidung nähen, Presseberichte verschicken, noch ein paar Trainingseinheiten im Wald absolvieren. Und zwischendurch immer wieder das Wetter in Grönland beobachten. Der April war zum Teil bestimmt von Stürmen und tiefen Temperaturen. Nicht ungewöhnlich für diesen Monat. Im Mai sind die Chancen oft größer, auch mal auf eine stabile Schönwetterlage zu treffen. Darauf hoffen wir, wobei wir es nehmen müssen, wie es kommt. Gerüstet sind wir für alles: Kälte, Stürme, Sonne, White-Out. Nun sitzen wir auf gepackten "Koffern". Am Abend fliegen wir nach Reykjavik auf Island, wo wir noch eine Nacht verbringen werden. Morgen geht es dann weiter nach Grönland. Sollten alle Flüge reibungslos verlaufen, werden wir am Samstag Mittag in Tasiilaq eintreffen und dort erstmal im Roten Haus Quartier beziehen, bevor es uns in der nächsten Woche hinaus ziehen wird über die größte Insel der Welt.





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